Erste Hilfe beim Hund
Wenn wir uns einem verletzten Tier nähern, sollten wir daran denken, dass Tiere unberechenbar werden können, wenn sie Schmerzen, Angst oder einen Schock haben. Seid also vorsichtig und schützt Euch zunächst selbst vor Verletzungen. Viele Besitzer sind in Notfallsituationen schon von ihrem eigenen Tier gebissen worden.
Beim Annähern sollte man möglichst ruhig und behutsam auf das Tier einsprechen und auf plötzliche Reaktionen gefasst sein. Zeigt niemals Unsicherheit oder Aufregung in einer Notsituation. Das überträgt sich auf das Tier und bringt keinerlei Nutzen, sondern das Gegenteil.
Ist das Tier bewusstlos und sind Verletzungen zu befürchten, kann man die Decke vorsichtig unter das Tier ziehen und diese dann mit einem Helfer wie ein Sprungtuch spannen. So vermeidet man, dass durch Zupacken den Zustand des Tieres verschlimmert wird. Bei einem bewusstlosen Tier kann man mit einfachen Mitteln dessen Zustand überprüfen.
Prüfung der Lebensfunktionen
Achtet zunächst aus der Distanz auf Atembewegungen, sprich das Heben und Senken des Brustkorbs. Prüft, ob das Tier auf Zuruf oder Händeklatschen reagiert.
Prüfe den Kreislaufzustand:
Wir heben die Oberlippe an und drücken mit dem
Finger auf das Zahnfleisch. Innerhalb von zwei Sekunden sollte sich die Stelle
wieder rosa färben, andernfalls hat das Tier vermutlich einen Kreislaufschock
erlitten.
Den Puls fühlt man beim Tier an der Innenseite des Oberschenkels - am besten übt Ihr an Eurem Hund, um die richtige Stelle zu erkennen. Den Herzschlag kann man in Höhe des Ellbogens am Brustkorb spüren.
Wir sehen uns die Augen an, und leuchten ggf. mit einer Taschenlampe hinein. Die Pupillen müssen sich daraufhin verengen, wenn eine Lebensfunktion vorhanden ist. Sind weder der Pupillenreflex noch Anzeichen für Atmung und Herzschlag vorhanden, ist das Tier bereits tot. Reagieren jedoch die Pupillen noch, sollte sofort mit Wiederbelebungs-Maßnahmen begonnen werden.
Wiederbelebung
Ziel ist, die Sauerstoffversorgung der wichtigsten Organe wiederherzustellen. Dazu muss sowohl die Atmung als auch der Blutkreislauf funktionieren. Bei einem leblosem Tier gehen wir wie folgt vor:
- Atemwege
-
Wir öffnen das Maul und ziehen Sie die Zunge nach vorne. Schaut in den Rachen und
entfernt Fremdkörper, Schleim oder Erbrochenes, um die Atemwege freizulegen.
Ein kleinerer Hund könnte dazu auch an den Hinterbeinen festgehalten und kopfüber hochgehoben werden, der Mund muss dabei geöffnet sein oder offengehalten werden (nicht bei Verdacht auf Wirbelschäden). - Beatmung
-
Sind die Atemwege frei, kann man das bewusstlose Tier beatmen. Zieht ihm dazu die
Zunge nach vorn, schließt die Schnauze mit der Hand und streckt den Hals. Beatmet
das Tier durch dessen Nase, evtl. mit vorgehaltenem Tuch.
Wir beatmen etwa alle drei Sekunden und achten darauf, dass sich der Brustkorb hebt aber nicht zu weit vorwölbt. - Zirkulation
-
Wir prüfen den Herzschlag an der seitlichen Brustwand und den Puls an der
Innenseite des Oberschenkels. Sind wir sicher, dass ein Herzstillstand vorliegt,
sollten wir eine externe Herzmassage vornehmen.
Dazu legen wir ein gefaltetes Handtuch unter den Brustkorb des Tieres und legen die linke Hand flach auf den Brustkorb, etwa in Höhe des Ellbogens. Danach pressen wir in schneller Folge fünf- bis zehnmal mit der rechten Hand auf die Linke, um das Herz wieder zum Schlagen anzuregen. Wir beatmen das Tier jeweils ein- bis zweimal, bevor wir den Herzschlag kontrollieren und ggf. erneut massieren.
Das Anlegen von Verbänden
Bei Verletzungen und stark blutenden Wunden ist es sinnvoll, für den Transport zum Tierarzt einen Verband anzulegen. Achtet aber bitte darauf, dass dieser nicht zu fest sitzt. Eine Ausnahme sind pulsierende hellrote Blutungen, bei denen ein arterielles Gefäß eröffnet ist und starke Blutverluste drohen.
Dieses sollte direkt über der Blutung abgebunden oder mit einem Stapel sauberer Taschentücher oder steriler Gazetupfer abgedrückt werden. Direkt auf die Wunde sollte eine fusselfreie sterile Abdeckung kommen (für den Transport geht zur Not geht auch ein frisches Handtuch).
Die ein- bis zweifingerdicke Polsterung wird mit einer elastischen Binde umwickelt und straff angezogen, ohne jedoch die Blutzirkulation abzuschnüren. Die äußerste Schicht besteht aus gewebeverstärktem Klebeband oder Pflaster, die an stark beanspruchten Stellen wie z.B. der Sohle, durch mehrere Lagen verstärkt wird.
Um den Verband am Rutschen zu hindern, kann er auch mit Pflaster am Fell fixiert werden, allerdings nicht auf unbehaarter oder rasierter Haut, da sich sonst Entzündungen bilden können.
Die Notfall-Apotheke
Eine Notfallapotheke sollte in jedem Haushalt vorhanden sein. Mit wenigen Ergänzungen könnt Ihr sie auch für den Notfall am Tier ausstatten. Das soll jedoch keinesfalls eine Aufforderung zu Do-it-yourself-Behandlungsversuchen sein. Bei einem Notfall am Tier sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden. Wie auch die Bestandteile der Haus- oder Autoapotheke sollte der Inhalt regelmäßig auf Verwendbarkeit überprüft und erneuert werden.
- Polster- oder Verbandwatte
- In Rollenform lassen sich gepolsterte Verbände schnell anlegen, herkömmliche Watte in Plastikbeuteln eignet sich aber ebenso gut.
- Gewebeverstärktes Klebeband
- Es eignet sich besonders für Pfotenverbände, die dadurch besser vor Feuchtigkeit geschützt sind.
- Wundbalsam
- Beim Tierarzt erhalten Sie ein geeignetes Mittel, mit dem sich Wunden im Notfall desinfizieren und behandeln lassen. Wichtig ist, dass es nicht brennt.
- Wundsalbe
- Für die Nachbehandlung offener Wunden eignet sich sehr gut eine Sulfonamid- Lebertransalbe (beim Tierarzt) oder ein ähnliches Präparat.
- Thermometer
- Am besten eignen sich Digitalthermometer, die auch mit biegsamer Spitze erhältlich sind (Batterie regelmäßig testen).
- Verbandschere
- Sie sollte eine abgerundete Spitze haben, um die Verletzungsgefahr gering zu halten.
- Zeckenzange und Pinzette
- Damit lassen sich Zecken ganz einfach herausdrehen. Die Pinzette dient u.a. zur Entfernung von Schmutz aus Wunden.
- Jod-Lösung
- Zur Desinfizierung und Blutstillung. Vorsicht bei Katzen! Nur ausgewiesene Präparate verwenden, die den Einsatz bei der Katze erlauben (nicht bei größeren Wunden einsetzen).
- Selbstklebende Binde
- Mit elastischen Binden, die von selbst haften, können im Notfall sehr rasch Verbände befestigt werden (an Pfoten niemals Wattepolster vergessen).
- Ringer-Lösung
- Sterile Elektrolytlösung ist ideal, um Wunden zu reinigen und um Fremdkörper aus dem Auge zu spülen.
- Mullbinden
- Sie eignen sich nicht nur zum Anlegen eines Wundverbandes, sondern auch zusammengerollt für einen Druckverband.
- Sterile Gazetupfer
- Diese bekommen Sie entweder bei Ihrem Tierarzt oder abgepackt in der Apotheke.
- Kalzium-Trinkampullen
- Diese können bei Insektenstichen verabreicht werden.
- Arnica-Salbe
- Für kleinere Verletzungen
- Arnica-Globuli D 6
- Für Entzündungen und Fieber
- Notfall-Bachblüten
- Zur Verminderung jeglicher Stresssituation
- Nux-Vomica-Globuli D 6
- Übelkeit und Erbrechen


