Keilwirbel-Studien
Keilwirbel
Im Vorfeld sei klargestellt: alles was Sie über Keilwirbel lesen können, basiert auf nicht fundierten Spekulationen. Hoch interessant sind die wilden Darstellungen derer, die Sie glauben machen wollen, irgendwelche Erkenntnisse über Auswirkungen und Vererbung preisgeben zu können. Dieses ist nach unserer Ansicht unseriös und basiert auf effekthaschenden Spekulationen, da sich außer dem DKFB e.V. (und der US-Studie von Dr. Keller) niemand so intensiv, lang andauernd dokumentiert und konsequent mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.
Was ist ein Keilwirbel?
Ein Keilwirbel ist ein Wirbelkörper, der sich nach unten und/oder oben hin verjüngt und ab einem bestimmten Grad dieser Verjüngung als solcher eingestuft wird. Dafür muss jeder einzelne Wirbel vermessen werden . Dieses geschieht im DKFB nur durch einen Gutachter, der dafür jeden veränderten Wirbel vermisst, um danach ein aussagefähiges Gutachten zu erstellen. Nur auf dieser Basis sind die nachfolgenden Erläuterungen zusehen.
Vom Ursprung her war die Französische Bulldogge wesentlich länger, als sie sich heute darstellt. Im Laufe der Jahre züchtete man die Rasse immer kürzer und mit immer kürzerer Rute (diese Kurzrute, teilweise auch Korkenzieher-/ Knick-Rute genannt, besteht bereits zum überwiegenden Teil aus veränderten Wirbeln oder Keilwirbeln) bis hin zur Übertypisierung. Dieses hatte zur Folge, dass sich die Wirbelsäule an diese neuen Gegebenheiten insofern adaptierte, als sich einige Wirbelkörper vorwiegend an der innen liegenden Seite keilförmig zusammen zogen.
Wäre diese Kurz-/ Korkenzieher-/ Knick-Rute der Ursprung dieser Keilwirbelbildung, wäre auch die logische Folgerung, dass sich die Keilwirbelbildung verstärkt in den der Rute nachfolgenden Wirbeln, im Lendenwirbelbereich ausbilden müsste. Unsere Dokumentationen und auch die der US-Studie zeigen jedoch, dass sich der überwiegende Teil der Keilwirbel bei den untersuchten Tieren im Thorax (Brustwirbel)-Bereich befindet.
Fakt ist, was eine Studie in Amerika an 350 FBs ergeben hat, dass über 95 % der Französischen Bulldoggen mit Keilwirbeln behaftet sind. Dies wurde innerhalb einer noch nicht ganz fertiggestellten Dissertation (mit dem Titel: "Wirbelveränderungen bei Französischen Bulldoggen") der Uni Berlin bestätigt.
Es stellen sich die Fragen, ob eine Vererbbarkeit vorliegt und ob es vermehrt zu Problemen durch das Vorhandensein von Keilwirbeln kommt. Über Vererbung und Folgeschäden bei Keilwirbeln liegen noch keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse vor.
Im DKFB werden seit 6 Jahren Jahren inzwischen in 4 Generationen sämtliche Nachzuchten untersucht und in unserer Datenbank verarbeitet. Die derzeitigen Erkenntnisse weisen nicht auf eine Vererbbarkeit hin, wobei wir für eine endgültige Aussage mit wissenschaftlichem Hintergrund einen Zeitraum von mehreren Jahren benötigen werden.
Der TiHo Hannover wurde im Herbst 2009 eine Studie bezüglich Vererbbarkeit in Auftrag gegeben. Hier wird wissenschaftlich ermittelt, ob es ggf. einen Zusammenhang zwischen dem brachyzephalen Index und/ oder der Länge des Hundes sowie des Rutenansatzes gibt und ob dies in bestimmten Linien häufiger auftritt.
Der DKFB e.V. ist der einzige Verein, der sich wissenschaftlich mit den Keilwirbeln auseinandersetzt. So können wir z.B. jetzt schon nachweisen, dass z.B. Elterntiere, die mehrere Keilwirbel aufweisen, mehrere keilwirbelfreie Nachkommen hervorgebracht haben. Ebenso ist inzwischen nachweisbar, dass auch Zuchttiere mit nur einem Keilwirbel höher belastete Nachkommen hatten, dies teilweise bereits über mehrere Generationen.
Was uns bestätigt, dass wir nichts, aber auch gar nichts, über eine Vererbbarkeit wissen.
Des weiteren wird Prof. Distl, wohl Deutschlands bekanntester Genetiker, anhand der ihm vom DKFB gelieferten Blutproben von Zuchttieren und Nachzuchten ermitteln, ob es einen Genort für Keilwirbel bei Französischen Bulldoggen gibt.
Ich möchte noch auf folgenden Vorgang hinweisen: Wie ich bereits ausführte, findet man bei über 95 % aller französischen Bulldoggen Keilwirbel. Dies hatte den Effekt, dass ein Tierarzt, wenn er beispielsweise einen Bandscheibenvorfall feststellte, dieses in Verbindung mit den Keilwirbeln gebracht hat, da man ja in den allermeisten Fällen dazu dann die Keilwirbel feststellte. Außerdem werden beim TA und in den Kliniken ja nur Hunde vorgestellt, die Probleme haben, mit einem Hund ohne Probleme sucht man keinen TA auf. Die Aussagen dieser Tierärzte, dieses als rassespezifisches Problem darzustellen sind absolut unhaltbar. Sie resultieren sicherlich daraus, dass sie meist nur kranke Hunde zu sehen bekommen, deshalb aber nicht auf die gesamte Population schließen können.
Diese, zwar noch nicht wissenschaftlich nachgewiesene, Folgerung wurde uns beim Startmeeting zu unserer Studie am 17.10.2009 in Hannover von den teilnehmenden Experten im Grundtenor bestätigt. Insbesondere auch deswegen, da in der Literatur bisher nur wenige Einzelfälle dokumentiert wurden. Eben diese Dokumentationen auch schon "einige Jahre auf dem Buckel haben", sprich, wurden mit nur wenig modernen medizinischen Methoden und Geräten, ermittelt.
Das führte dazu, dass, nachzulesen in einem Gutachten zu §11b TSG, man überlegt, aufgrund dieser vermeintlichen Erkenntnisse (alten Erkenntnisse s.o.), die Französische Bulldogge unter "Qualzuchten" einzustufen und ein Zuchtverbot auszusprechen.
Dem wirken wir mit unserer Arbeit und unseren Studien entgegen!!!
Die Häufigkeit von Bandscheibenvorfällen bei Französischen Bulldoggen liegt nicht außerhalb der Norm, wie z.B. beim Dackel. Im Zusammenhang mit dieser Rasse ist, obwohl der schon seit langem bekannten Problematik wegen der sogenannten "Dackellähme", das Wort "Qualzucht" in dem Gutachten zu §11b TSG nicht gefallen. Diese Rasse ist bekannter weise mit einem hohen Wert an Bandscheibenvorfällen belastet, Keilwirbel wurden dort jedoch nicht festgestellt.
Nun möchte ich noch einmal auf die amerikanische Studie zurückkommen, die uns drei Jahre voraus ist. Hier hat man begonnen, drei Jahre nach Ablauf der ersten Studie in der es um die Häufigkeit von Keilwirbeln ging, Befragungen bei den Besitzern der geröntgten Bullys durchzuführen, bezüglich eventuell aufgetretener Bandscheibenvorfälle und anderer Beschwerden des Bewegungsapparates. Es liegen derzeit noch nicht alle erwarteten Rückläufe vor. Man geht jedoch aufgrund der bisherigen Erkenntnisse davon aus, dass es keinen ursächlichen Zusammenhang von Rückenerkrankungen mit dem Vorliegen von Keilwirbeln bzw. deren Anzahl oder Keilwirbelfreiheit gibt.
Es hieße mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn Zuchtverbote für mit Keilwirbeln behaftete Französische Bulldoggen ausgesprochen würden. Damit machte man sich zum Totengräber einer Rasse. Bevor uns wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, wird es im DKFB diesbezüglich keine offiziellen Zuchtausschlüsse geben. Jedoch sprechen wir Empfehlungen zu Verpaarungen aus die aber lediglich eine Vorsichtsmaßnahme sind und nicht auf einer wissenschaftlichen Grundlage basieren.
Das ist nicht so zu verstehen, dass auch extrem belastete Hunde in die Zucht gehen! Sollte sich ein wissenschaftlicher Nachweis dahingehend ergeben, dass keine Vererbbarkeit vorliegt und keine vermehrte Rückenproblematik auftritt, könnten ggf. erhebliche Regressforderungen auf den entsprechenden Verein/Verband zukommen, wenn er solche Regeln erlassen hat und daraufhin Zuchthunde ggf. aufgrund der Untersuchungsergebnisse mit Zuchtausschluss belegt und kastriert wurden.
Der DKFB hat inzwischen an die 100 Bullys untersuchen lassen. Von diesen 100 untersuchten Bullys gab es einen leichten Bandscheibenvorfall, bei einem zweiten wurde ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert, hierbei handelte es sich um eine Verdachtsdiagnose. Beide Tiere waren nur mit einem Keilwirbel betroffen. Beide brauchten nicht operiert zu werden und die Bandscheiben-Vorfälle fanden nicht dort statt, wo der Keilwirbel lag. Ein schwerer Fall eines Bandscheibenvorfalls, der operiert wurde war von 4 Keilwirbeln betroffen, auch hier lag der Bandscheibenvorfall nicht im Bereich des Keilwirbels.
Wir können aber auch an Hand unserer Dokumentationen nachweisen, dass, um nur wenige Beispiele zu nennen, ein Bully, fast acht Jahre alt, mit 13 Keilwirbeln behaftet, noch niemals auch nur geringste Anzeichen in Form von irgendwelchen Beschwerden vorwies. Das gleiche trifft bei untersuchten Hunden im Alter bis zu 7 Jahren mit 4-6 Keilwirbeln zu.
Zwei unserer Notbullys, jeweils mit einem Keilwirbel belastet, hatten schwerste Lähmungserscheinungen. Wir wollen nicht wissen, wie oft solche Tiere einfach eingeschläfert werden um Kosten zu sparen und dann schnell die Diagnose gestellt wird: "Das kommt von den Keilwirbeln". In beiden Fällen wurde bei den Notbullys ein teures MRT vorgenommen und das Ergebnis war eine Subarachnoidalzyste in der Wirbelsäule.
Auf unserem Treffen in Hannover, gab es die eindeutige Aussage, dass, wenn der Keilwirbel als Ursache erheblicher Rückenprobleme zu sehen ist, dieses in einem Alter bis zu einem, max. 1 ½ Jahren auftreten kann. Da kommt dann die Lage und der Schweregrad des bzw. der Keilwirbel zum tragen.
Bei den rund 100 vom DKFB untersuchten Hunden ist eine solche Problematik bisher noch niemals aufgetreten.
Es gibt auch Gedankengänge, wohlgemerkt, nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass, wenn es zu Rückenproblemen bei Französischen Bulldoggen kommt, dieses eher im Zusammenhang mit dem relativ hohem Gewicht der Rasse im Verhältnis zu ihrer Körpergröße kommt. Wir wissen alle, dass auch in der Humanmedizin ein höheres Risiko zum Auftreten von Rückenproblemen bei übergewichtigen Menschen auftritt.
Der DKFB wird auch in diesem Falle dokumentieren und ggf. wissenschaftlich erforschen lassen, ob es einen verstärkten Zusammenhang von Haltungsbedingungen (Fütterung, sportlicher Betätigung, Überbelastung usw.) zwischen dem Vorhandensein von Keilwirbeln und Rückenproblemen gibt.
Unser derzeitiges Fazit (Stand Ende 2009) sieht folgendermaßen aus:
Keinerlei Entwarnung im Bezug auf Keilwirbel bei der Französischen Bulldogge - Insbesondere müssen die Anstrengungen für wissenschaftliche Nachweise noch weiter intensiviert und fortgeführt werden.
Einige Vereine/ Verbände gehen mit einer teilweise sehr negative Hysterie bezüglich der Keilwirbelthematik hausieren. Sie dokumentieren nur die bisherigen Auswirkungen dieser "falschen Zuchtkriterien" durch populistische Darstellung von Krankheitsbildern und willkürlichen Zuchtausschlüssen. Was sie nicht vornehmen, ist die Darstellung von geeigneten Maßnahmen. Und noch viel wichtiger, sie legen diese Maßnahmen in ihren eigenen Zuchtbedingungen nicht eindeutig und vollständig fest, um sie schließlich über Jahre hinweg umzusetzen und zu leben.
Und dazu ist nicht zuletzt auch die zwingende, in der Zuchtordnung festgelegte, Röntgenuntersuchung aller Nachzuchten erforderlich. Auch, wenn wir da schon annähernd 6 Jahre im Voraus sind, zu spät ist es nie!
Nur damit wird der gesunden Zukunft unserer Rasse Genüge getan, mit allem Anderen erweist man der Französischen Bulldogge einen "Bärendienst".


