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Bienchen

Bienchen war der Überlebenskünstler und Fernsehstar unter unseren Notbullys und ich glaube, dass in der Geschichte des DKFBs kein anderes Notbullyschiksal mehr Emotionen weckte, als ihres, in der kurzen Zeit, in der wir sie kannten und uns um sie kümmern durften, wurde sie der absolute Liebling des Vereins, jeder nahm Anteil an ihrem Leben, hatte Angst um sie, freute sich über ihre Genesungsfortschritte und ihr Tod war ein wahrer Schock für uns.

Wir wissen bis heute nichts über Bienchens Leben vor dem Tag, als sie in einem furchtbaren körperlichen Zustand von der Polizei in Berlin, auf einem Abbruchgelände gefunden wurde. Ihre Geschichte möchte ich von dem Menschen erzählen lassen, der Sie auf dem letzten und vielleicht auch schönsten Stück ihres Lebensweges begleiten durfte.

Einen Boxer Namens Leonardo nannte ich meinen Kameraden, hinzu hätte ich sooo gern einen Bully, diese Rasse hatte ich zwei Jahre zuvor kennen und lieben gelernt, vor ein Paar Monaten war es soweit, ich wollte doch gerne wieder zwei Hunde und es sollte eine Französische Bulldogge ins Haus.

Da ein Welpe bei einem verantwortlichen Züchter viel Geld kostet, sah ich mich im Internet nach Notbullys um. Die Seite "der heiße Draht" wurde zu meiner Kultstätte. Heute weiß ich allerdings das die "sogenannten Nothunde" auf dieser Seite fast ausschließlich Händlermaschen sind, die ihre, fast immer kranken Hunde, dort regelrecht verschachern. Doch durch diese Seite kam ich, durch eine Anzeige in der vor diesen Händlern gewarnt wurde, zum DKFB, dem Deutschen Klub für französische Bulldoggen. Da fand ich zwei Notbullys, die allerdings schon vermittelt waren. Die Homepage des Vereins gefiel mir sehr gut und das, was dort be- und geschrieben wurde entsprach ganz meinen Vorstellungen. So fand ich mich eines Abends im Forum wieder. Beim Durchstöbern fand ich einen frisch geschriebenen Beitrag über eine Notbullyhündin, die zwar bereits vermittelt war, die aber die neuen Besitzer nun nicht mehr wollten. Ich stöberte weiter und fand die ganze Geschichte dieser kleinen armen Maus.

Sie wurde in Berlin von der Polizei aufgegriffen und total abgemagert und ausgetrocknet in die Berliner Polyklinik für Kleintiere gebracht (war in der Sendung "Menschen, Tiere und Doktoren" auf VOX zu sehen). Man wusste erst nicht, ob man Bienchen am Leben erhalten konnte. Aber Bienchen war zäh und tapfer. Von dort wurde sie von zwei Tiermedizinstudentinnen abgeholt und aufgepäppelt und dann über den DKFB weitervermittelt zu dieser Familie, die das kleine Bienchen nun nicht mehr haben wollte. So ein Reinfall, trotz gründlicher Überprüfung dieser Familie. Mir blutete das Herz. So eine Geschichte hatte ich noch nie gehört. Total kopflos schrieb ich spontan eine Mail an den DKFB und bot mich an, Bienchen sofort zu mir zu nehmen. Ich bekam bald Antwort und am nächsten Tag rief Gisa Rieger mich an. Wir unterhielten uns lange und Gisa stellte auch einige Anforderungen an den neuen Platz für Bienchen. Sie sollte es ja gut haben und nicht zum Wanderpokal werden. Wir wurden uns einig.

Es mussten nur noch Termine abgesprochen werden, wer Bienchen da aus dieser Familie rausholte und wo ich Bienchen abholen konnte. Frauke und Dirk aus Magdeburg erklärten sich bereit, Bienchen zu holen und ich sollte sie dann dort abholen. Nach 10 Tagen war es dann soweit. Ohne meinen Mann zu benachrichtigen fuhr ich mit meiner Freundin los nach Magdeburg. Als wir bei Frauke und Dirk ankamen und Bienchen sahen, schossen uns Tränen in die Augen. So etwas sieht man vielleicht auf Internetseiten, aber in Natura ...? Bienchen war nicht nur sehr dünn, sie hatte auch eine starke Erkältung. Sie hustete und hatte eine "Rotznase" wie ein Kleinkind. Die Familie hatte sie wohl, da Bienchen sehr viel trank (sie war ja fast ausgetrocknet) und dementsprechend wohl auch viel Pipi machte in den Garten gesperrt (es war Februar!). Frauke und Dirk waren am Abend zuvor noch mit ihr beim TA gewesen und hatten die Erstversorgung machen lassen. Frauke hatte zusätzlich noch ein Inhalationsgerät gebastelt (ein in Erkältungstinktur getränktes Tuch über einen Kennel), das Bienchen auch schon etwas geholfen hatte.

So fuhren wir mit dem armen Bullymädchen nach Hause. Zu Hause angekommen, rief ich meinen Mann mit Leo nach draußen. Leo und Bienchen sollten sich draußen kennenlernen. Mein Mann staunte nicht schlecht. In der Wohnung angekommen, sah Bienchen sich erst mal um, fraß den Hundenapf leer, nahm sofort Leonardo’s Körbchen in Beschlag und schlief ein. Mein Mann sagte nichts. Ich dachte, nun ist er sauer, da ich ihm nichts von Bienchen erzählt hatte, aber als ich in seinen Augen die Tränen sah und er immer nur den Kopf schüttelte, wusste ich, er war genauso erschüttert wie ich.

In der Nacht wurde ich durch Bienchens Röcheln wach. Sie hustete stark und bekam kaum noch Luft, Stunden lang saß ich mit ihr auf dem Schoß im Wohnzimmer und wusste mir nicht zu helfen. Dann fiel mir Fraukes Inhalationsgerät ein, ich kramte in meiner Medikamentenkiste und fand tatsächlich eine Tüte mit Erkältungsbad, das tat ich auf ein Taschentuch, wickelte es in einen dünnen Schal und band es Bienchen um den Hals, nach 10 Minuten ging es ihr besser und sie schlief ein.

Der TA-Besuch am nächsten Tag brachte noch mal viele Medikamente. Aber Bienchen erholte sich, nach einer Woche mit Schal und Medikamenten ging es ihr besser, nach 2 Wochen hatte sie bereits 2 Kilo zugenommen, sie wog anfangs nur 8 Kilo, das war viel zu wenig. Bienchen war ein wunderbarer Hund. Obwohl taub, auf einem Auge blind und beileibe nicht stubenrein (sie trank immer noch sehr viel) war sie mein absoluter Liebling. Von allen meinen Hunden war sie diejenige, die mich auch ohne Worte verstand und ich auch sie, wir waren, glaube ich, seelenverwandt, ein Blick genügte und wir wussten, was der Andere wollte, Leo mochte Biene vom ersten Augenblick und betüttelte sie.

Bienchen erholte sich gut. Sie nahm zu, wurde gesund und wir hatten schöne Wochen zu viert, bis zu dem verhängnisvollen Samstag, an dem für mich eine Welt zusammenbrach.

Wir standen gegen 7.30 Uhr auf und Bienchen kam uns, wie immer, freudig entgegengelaufen, bekam ihr morgendliches Leckerchen und ging damit zurück in ihr Körbchen. Um 8 Uhr wollte mein Mann mit den Hunden Gassi gehen und wie immer wollte ich in der Zeit das Frühstück vorbereiten, mein Mann leinte Leo an und wollte auch Bienchen das Geschirr anlegen, sie kam aber nicht aus ihrem Körbchen raus, da nahm ich sie hoch und wollte sie zum Anleinen hinstellen, Bienchen brach zusammen und machte Pipi unter sich, ich war erschrocken, was hatte Biene, war sie gelähmt? Wieder nahm ich sie hoch und da machte sie alles unter sich.

Sofort telefonierte ich nach dem TÄ-Notdienst, wir wickelten Bienchen in eine Decke und fuhren sofort los, auf dem Weg in die Klinik gebärdete sie sich wie toll und wir konnten sie gar nicht beruhigen, in der Klinik angekommen, nahm man uns sofort dran und Bienchen wurde untersucht. Die Ärztin vermutete einen Kreislaufzusammenbruch und legte Bienchen eine Infusion, wir mussten draußen warten, nach ca. einer halben Stunde bangen Wartens rief man uns in das Behandlungszimmer, die TÄ zeigte uns ein Röntgenbild von Bienchen   und erklärte uns was sie hatte, ich traute meinen Ohren nicht, Bienchen hatte einen faustgroßen Tumor an der Leber, der aufgebrochen war und sie verblutete innerlich. Ich schrie auf, das konnte doch nicht sein! Mein Bienchen, nein!

Die TÄ konnte sie nur noch erlösen, ich nahm Bienchen ganz fest in meine Arme und die TÄ gab ihr die Spritze, ich kann nicht mehr sagen, wie lange ich mit Bienchen im Arm am Tisch stand, ich sah, wie mein Mann weinte, sah die TÄ am Schreibtisch sitzen, die Bescheinigung ausschreiben und konnte es nicht begreifen, ich schluchzte leise vor mich hin und sagte immer wieder ihren Namen: Bienchen, mein Bienchen.

Am Nachmittag rief ich Gisa Rieger an. Ich hatte in ihr und allen anderen Forum- und Klubmitgliedern wahre Tier- und Menschenfreunde gefunden. Alle nahmen Anteil an Bienchens schlimmen Schicksal, an der Besserung ihres Zustandes und machten mir und meiner Familie viel Mut.

Als ich Gisa erzählen musste was mit Bienchen passiert war, weinten wir beide, trotzdem, machte sie mir Mut und sprach mir gut zu. Am späten Nachmittag rief sie mich nochmals an und sagte: "Elke, wir haben uns den ganzen Tag gefragt, wie wir dir helfen können, dann haben Wolfgang und ich uns angesehen und beide genickt, wir schenken dir einen Welpen aus unserem neuen Wurf." - Diese Worte werde ich nie vergessen.

Erst hatte ich Bienchen gegenüber ein schlechtes Gewissen. War das nicht Verrat an unserer Liebe zueinander?

Aber all die lieben Menschen, die Bienchen kannten und immer wieder neue Berichte im Forum forderten belehrten mich eines Besseren, Bienchen wird nie vergessen werden, weder von mir noch von allen anderen, Sie wird immer in meinem Herzen bleiben und mich eines Tages wieder empfangen. Nun warte ich auf den Tag an dem ich meinen kleinen Welpen "Gräfin Mariza of Swabian Pearls" abholen kann.

Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass Easy wie "Gräfin Mariza of Swabian Pearls" heute gerufen wird, inzwischen mit einem Notbully namens Tom zusammen lebt, denn der Boxer Leonardo verstarb leider in der Zwischenzeit.

Auf dieser DVD findet ihr auch einen Zusammenschnitt der Sendungen in VOX, in denen Bienchen zu sehen wahr.

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