Bob
Nachstehende E-mail erhielten wir während unseres Urlaubs.
Sehr geehrter Herr Rieger,
mein Name ist ... und ich bin ehrenamtliche Mitarbeiterin im Tierheim Bamberg und betreue seit ca. April 2008 eine 3 jährige französische Bulldogge.
Bob, so heißt er, ist ein kastrierter Rüde und wurde abgegeben, weil er Lähmungserscheinungen in den Hinterläufen hatte und sie nur hinter sich her schleifen konnte. Da die Besitzer kein Geld für die Operation hatten, landete Bob bei uns.
Er wurde erfolgreich operiert und dank seines Kämpfergeistes erholt er sich stetig. Momentan ist er auf einer Pflegestelle, die ihn aber aus privaten Gründen nur noch ca. 10 Tage betreuen kann, dann muss er wieder ins Tierheim.
Bob und sein Schicksal beschäftigen mich sehr. Die ganze Zeit über im Tierheim versuchte ich durch tägliches Lauftraining seine Motorik zu verbessern und es wird besser. Vielleicht bleibt aber eine Behinderung zurück, dass kann niemand sagen.
In einem Zuhause würde seine Genesung bestimmt noch viel schneller gehen und er ist so ein toller Kerl, lieb, verschmust und natürlich stur. Bob ist nur sehr bedingt verträglich und wäre deshalb lieber Einzelhund. Ich hoffe immer noch, dass es Liebhaber und Kenner dieser Rasse gibt, die die Zeit und Geduld haben, ihm zu helfen.
Er bräuchte ein ebenerdiges Zuhause ohne Treppen, am besten mit Garten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es die richtigen Menschen für Bob gibt und vielleicht können sie mir dabei helfen. Ich habe auf ihrer Seite die Rubrik Bullys in Not gesehen und vielleicht könnten sie seine Geschichte erzählen oder wüssten jemanden für ihn.
Vielen, vielen Dank im Voraus, mit freundlichen Grüßen
Soweit, so gut. Nach einigem hin- und her wurde uns Bob vom Tierheim übereignet. Nun ging als erstes die Suche nach Adoptiveltern für Bob los. Mit Unterstützung von unserem Mitglied Manu fanden wir Jasmin und Andy. Aber das war auch ein weiter Weg:
Bevor es soweit war, fanden zahlreiche Telefonate mit dem Tierheim, mit Manu und den interessierten Adoptiveltern statt. Eine Platzkontrolle brauchten wir nicht zu machen, weil es gute Bekannte von Manu sind. Die beiden sind sehr verantwortungsbewusste Menschen, sodass wirklich zahlreiche Telefonate geführt wurden, immer wieder neue Fragen auftraten, ebenso Zweifel, ob es zu schaffen war, und...und...und
Letztlich kamen wir überein Bob, damit er zumindest aus dem Tierheim draußen war, Andy und Jasmin in Pflege zu geben und sie dann ihre Entscheidung treffen würden, ob er bleiben kann und sie der Aufgabe gewachsen sind. Wir wollten uns mit Andy und Jasmin im Tierheim treffen um alles weitere zu besprechen. Vor allem wollte ich, dass Sie Bob sehen, bevor die Entscheidung getroffen wird, ihn in Pflege zu nehmen. So viel Lebensfreude und so ein wunderbares Wesen... ich brauche es nicht näher erläutern, ihr wisst, wovon ich rede. Nur leider lief Bob viel schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Er knickte permanent ein- oder zweiseitig weg und er wollte so gern wetzen, das sah dann wirklich erbärmlich aus. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen, als ich das gesehen hatte und konnte meinen Tränen nur noch freien Lauf lassen. Jasmin und Andy hatte ich Bobs Zustand ja noch anders, den Darstellungen des Tierheimes entsprechende, geschildert. Ich war wirklich entsetzt und zweifelte, ob sie ihn dennoch nehmen würden. So haben ich die beiden ins Tierheim bestellt. Nach der Begrüßung ließ ich die beiden mit der Pflegerin allein und sagte ihnen, ich würde sie nicht beeinflussen, sie müssten ihre Entscheidung alleine treffen. Sie sind dann mit der Pflegerin und Bob "spazieren" gegangen.
Nachdem die drei samt Bob vom Gassigehen zurückkamen, war ich voll ängstlicher Erwartung. Würden sie ihn trotzdem nehmen? (aus seiner vorherigen Pflegestelle musste er schnell wieder weg, weil er einfach zu viel Arbeit machte). Aber sie hatten ihr Herz an Bob verloren und nun konnte er bei ihnen in Pflege sein. Nach vier Wochen wollten sie sich entscheiden, ob sie ihn behalten können. Wir sind daraufhin gemeinsam in Bobs neues Zuhause gefahren. Dort hat er sich ganz intensiv umgesehen und in seinem Körbchen, was uns die Pflegerin mitgegeben hat, Platz genommen. Er hat auch gleich schön gefressen und gut geschlafen. Alles in allem war ich erst mal nur glücklich und hoffte von ganzem Herzen, dass dieses Sorgenkind dort bleiben dürfte! Nach vier Wochen kam die Zusage, dass Bob bei Jasmin und Andy sein endgültiges zuhause gefunden hatte.
Wir waren mit seinem gesundheitlichen Zustand aber nicht zufrieden und stellten ihn nochmals in einer Orthopädischen Klinik vor. Um über seinen Zustand genau informiert zu sein, wurde ein MRT gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass Bob an der falschen Stelle, nämlich dort, wo sein einziger Keilwirbel lokalisiert war, operiert worden war. Kein Wunder, das das OP-Ergebnis nichts gebracht hatte. Denn oberhalb der Operationsfläche, einige Wirbelkörper höher, wurde eine Subarachnoidalzyste festgestellt. Wir ließen Bob operieren und danach konnte er schon wieder recht gut laufen.
Bob lernte bei seinen neuen Eltern immer besser laufen und fühlte sich in seinem neuen zu Hause, wo er umsorgt und geliebt wurde, sichtlich wohl. Ein Jahr später erreichte uns der Anruf, dass Bob plötzlich eine unmittelbar aufgetretene schwere Lähmung der hinteren Extremitäten zeigte. Er konnte seine Hinterläufe nicht mehr bewegen und war inkontinent geworden. Wir veranlassten sofort einen Untersuchungs-Termin in der Klinik, wobei wiederum ein MRT gemacht wurde. Da in der ersten Operation an der Zyste schon viel Bandscheibenmaterial entfernt werden musste, war genau an dieser Stelle ein Bandscheibenvorfall aufgetreten. Ein weiteres Mal wurde Bob im Auftrag des DKFB operiert und konnte anschließend wieder laufen. Nach einer Ruhephase mussten im Anschluss an die OP physiotherapeutische Maßnahmen ergriffen werden.
Der DKFB hat für Bob inzwischen Kosten in Höhe von 3.500 € übernommen.
Aber jeder Bully ist es wert, dass ihm innerhalb unseres Vereins geholfen wird. Sofern wir weiterhin die finanziellen Möglichkeiten haben, da wir immer mehr kranke Hunde als Notbullys bekommen. Inzwischen scheint es sich herumgesprochen zu haben, dass der DKFB diesen Geschöpfen hilft und das erfordert enorme finanzielle Mittel, die wir uns Großteils durch Spenden unserer Mitglieder zusammenbetteln müssen.
Wir hoffen, dass es bei Bob weiterhin gut vorwärts geht und es nicht nochmal vorkommt. Ein weiterer Bandscheibenvorfall an dieser Stelle wäre aufgrund der schlechten Prognose inoperabel.


