Gismo
Lieber, lieber Gismo. Du tapferer kleiner Junge. Du bist 16 Monate alt geworden. Wir wissen nicht, wie lange Du schon krank warst, aber als Du vor zwei Wochen in die Obhut des DKFB kamst, warst du schon lange sehr, sehr krank. Du kamst zu uns, und warst kurz davor zu verhungern. Wir fütterten Dich mühsam und doch sahen wir bei jedem Bissen die Angst in deinen Augen, zu ersticken. Nachdem Du etwas zu Kräften gekommen warst, ließen wir umfangreiche Untersuchungen vornehmen. Wir wollten über deinen Gesundheitszustand Aufschluss erhalten um dann eine Therapie einleiten zu können, die Dir helfen würde. Am 1.12. wurde ein MRT gemacht. Hier wurde festgestellt, dass Deine gesamte hintere Zunge, der Rachenraum und der Kiefer komplett bösartig und inoperabel verwuchert waren. Wir konnten Dir nicht mehr helfen und entschieden, Dich nicht mehr aufwachen zu lassen.

Lieber Gismo,
Wir möchten, dass Du als Warnung stehst für Diejenigen, die sich einen Billighund vom Händler oder Vermehrer holen und dann nicht das Geld haben, ihn ordentlich tierärztlich versorgen zu lassen.
Wir möchten, dass Du als Aufruf stehst für diejenigen Menschen, die ihren Bully eher qualvoll langsam verenden lassen, anstatt sich rechtzeitig Hilfe beim DKFB zu holen.
Wir möchten diejenigen Menschen aufrütteln, die die Liebe in ihren Herzen für Euch haben, wie sie bei unseren Mitgliedern ist und die sich mit in die Verantwortung für die Rasse nehmen lassen. Diese bitten wir von Herzen, unser Projekt Notbullys mit einer Mitgliedschaft oder einer Spende zu unterstützen.
Wir haben inzwischen so vielen Bullys helfen können und es werden immer mehr. Es würde uns schmerzen, wenn wir dieses Projekt aus finanziellen Gründen einschränken müssten. Für Gismo erbitten wir Spenden für eine Einzelverbrennung und eine Urne. Sie soll als Symbol und Aufruf zur Unterstützung für die Arbeit des DKFB in Erinnerung an Gismo stehen. Gismo, der erste Notbully, den wir in annähernd sechs Jahren Notbully-Arbeit nur damit helfen konnten, dass wir ihn gehen ließen. Wir sind unendlich traurig und doch, Gismo, versuchen wir ein Lächeln über unser Gesicht zu zaubern, wenn wir an dich denken, der Du nun zu unseren Lieben ins Regenbogenland heimgehen durftest.
So kam Gismo zu uns
Gismo ist 16 Monate alt, lebt bereits in seinem zweiten Zuhause und wird abgegeben, weil es mit dem vorhandenen Flat coat problematisch wurde. Es soll Futterneid-probleme gegeben haben. Ansonsten konnte ich nicht viel über Gismo erfahren. Wir werden ihn ja auf unserer Pflegestelle näher kennenlernen. Ein Einzelplatz wäre schön, aber das werden wir ausprobieren. Er bleibt auch mal allein und ist Kinder gewohnt. Er ist sehr dünn, weil der an einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse leidet, und benötigt Pankreatintabletten, Trockenfutter geht gar nicht (wo denn auch überhaupt...). Ob man noch mehr für ihn tun kann, werden wir abklären lassen.
Hier unser Bericht nach der ersten Untersuchung in der Klinik
Alles in allem: Gismo ist in denkbar schlechter körperlicher Verfassung. Es wurde höchste Zeit, dass ihm geholfen wird und er versorgt werden kann. Ich mache mir sehr große Sorgen um den kleinen. Darum wird er auch erst mal solange bei Sabine bleiben bis wir wissen, wie sich sein gesundheitlicher Zustand weiter entwickelt.
Kleinigkeiten: Krallen drohten teilweise schon einzuwachsen, es fand keine Grundimmunisierung oder ausreichende Impfung statt, die Ohren bedürfen einer Generalüberholung und der Kleine wiegt 6,2 kg! Stellt euch das bitte einmal vor, mit 16 Monaten! Seine Leberwerte sich nicht nur schlecht sondern katastrophal. Um die Ursache zu finden brauchen wir Kot, den haben wir noch nicht. Es muss untersucht werden, ob es ein eigenständiger Befund ist oder ob es in Verbindung mit der Pankreatitis zu sehen ist, erst dann kann medikamentös eingegriffen werden.
Was am allerschlimmsten ist: Gismo leidet massiv unter Atemnot, seine Zunge ist völlig blau. Er kann seine Nahrung nicht aufnehmen, wenn er den Kopf senkt. Er kann nicht fressen, ohne dass er bei jedem Bissen zu ersticken droht. Sabine hat ihn in kleinsten Mengen zwei Stück Energique eingegeben und auch dabei musste sie sehr aufpassen, damit er nicht erstickt. Seine Zunge ist stark vergrößert, was sich nicht ändern lässt. Seine Atemwege sind stark verengt und nun hat er offensichtlich noch eine Entzündung im Rachenraum, was die Atemwege weiter verengt. Es ist anzunehmen, dass er regelrecht am verhungern ist, weil er nur schwer Nahrung aufnehmen kann und das Dosenfutter, das er bekommen hatte alles andere als nahrhaft war. Seine Füßchen sind nach außen gedreht, sogenannte "Drehfüßchen", möglicherweise verursacht durch einen Mangel an Mineralien. Die Therapie sieht jetzt so aus, zunächst einmal die Schwellung zurückgehen muss (Antibiotika und Cortison). Um dem Kleinen zu helfen, müssen wir sicher mit einer beträchtlichen Summe rechnen. Nachdem die Entzündung im Rachenraum zurückgegangen ist, würde ich ihn gerne in Leipzig bei Prof. Oechtering vorstellen.
Ich möchte bei der Gelegenheit unsere Mitglieder darum bitten, an ihre Groschengräber zu denken. Wir benötigen inzwischen so viel Geld für die Notbullys, dass ich mir Sorgen mache, dass wir irgendwann mal die Notbullyarbeit in diesem Umfang, den wir jetzt betreiben, reduzieren müssen. Das wäre schrecklich.
Zu Ilona, die den Kleinen abgegeben hat, kann ich nur sagen:
Du hast im letzten Moment die Notbremse gezogen. Nicht jeder, der einen Bully mag oder liebt, ist auch in der Lage, ihn zu halten bzw. die Probleme zu sehen oder zu erkennen. Jedenfalls bin ich froh, dass Du mich sofort zurückgerufen hast, als ich Dir meine E-mail geschickt hatte. Ich hoffe, dass Du ihm damit das Leben gerettet hast. Ob wir ihn so durchbringen, dass er in seinem Körper leben kann, bedarf es eines hohen kostenintensiven medizinischen Einsatzes, wenn denn überhaupt etwas zu machen ist.
Gisa Rieger


